Heute gibt’s nur …

… ein paar Fotos. Es war ein langer Tag, erst halb sieben aus dem Haus, dann ein paar Termine, einen mit einer ziemlich coolen Bürgermeisterin und dann ab nach Amsterdam Centraal – den Liebsten abholen, Sightseeing, Essen, Sightseeing und Bier trinken.

Jetzt sind wir zurück und der Bericht von heute muss ein bisschen warten, weil wir jetzt mal allein sein wollen 😉

Morgen ist mein freier Tag, wir wollen ausschlafen und dann gemeinsam die Stadt erkunden. Natürlich mit dem Fiets. Aber die Berichterstattung geht weiter, versprochen.

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Business-Sightseeing …

… am Vormittag. So begann mein Tag! Nachdem ich um neun im Büro angekommen war, wurde die Vorstellungsrunde von gestern fortgesetzt und dann ging es mit einem Kollegen aus Ben’s Team in den Keller, Fahrrad holen, kurz alles anpassen und dann ab Richtung Gewerbegebiet von Uithoorn.

Auf dem Weg dorthin zeigte er mir das Eventareal der Gemeinde – feinster grüner Rasen mit Platikrasengitter drunter. So kann man den Platz befahren und große Feste machen auch nichts kaputt und im Winter wird das Ganze unter Wasser gesetzt und ne schöne Eisbahn draus gemacht. So etwas ähnliches gab es in meiner Kindheit auch, es hieß Spritzeisbahn und brachte ne Menge Spaß ohne das Risiko des Einbrechens. Ach ja, schön war das schon.

Das nächste Highlight am Wegesrand, die neue Schule. Hochmodern, Solarzellen auf dem Dach, Erdwärme von unten und spart enorm Energie. Mir viel auf, dass es einen riesigen Fietsenparkplatz 😉 gab. Viele Kinder, auch kleinere kommen mit dem Fahrrad. Ist auch umweltfreundlicher und hier auch sicherer als bei uns zu Hause in Berlin.

Dann ging’s rein ins Gewerbegebiet. Viel Große Firmen, Chemie, Floraholland, die riesige Auktionshalle für den Blumenverkauf – sieht aus wie ein Flughafen – Werkstätten für Autos und allerlei anderen Kram und natürlich Gewächshäuser für Blumen, hauptsächlich und ein bisschen Paprika auch noch. Unterwegs immer auch innovative Energiespartechnik, Wassertanks, die von der Sonne aufgewärmt werden und so Warmwasser liefern, ganz ohne Energie – zumindest im Sommer, Regensammelbecken zum Bewässern der Pflanzen, Gewächshäuser auf Schienen, die schiebt man dahin, wo sie gerade gebraucht werden und lauter so Sachen.

Und dann rein in ein riesiges Gewächshaus. Alles voller Rosen, 6 Millionen pro Jahr und alles sehr modern und energieeffizient. Einer der Inhaber, zwei Brüder um die dreißig schmeißen den Laden, machte den Erklärbär und ich war schwer beeindruckt. Nebenbei wird Energie und Warmwasser erzeugt und an die Nachbarn verscherbelt. Klingt wie eine Runde Sache und ich meine, trotz der harten Konkurrenz aus Kenia – Licht und Wärme gibt’s da mehr und das kostet nix – wohl ein erfolgreiches Unternehmen. Ich bekam einen Strauß Rosen zum Abschied, ausnahmsweise und weil ich ja dort nichts kontrollieren muss, und durfte noch einen Blick auf die Paprikapflanzen werfen. Die Töpfe ca 10 cm Durchmesser, die Pflanzen mindesten drei Meter hoch an Schnüren zum ranken und schöne rote Früchte. Tsss. Ich hab das mal,auf dem Balkon versucht, mit eher mäßigem Erfolg 😦

Dan ging die Tour Richtung Gemeentehuis zurück und auf dem Weg erfuhr ich unter anderem, dass viele Polen – Arbeitskräfte in den Gewächshäusern – in kleinen Zimmer zusammengepfercht leben und dass man hier zu tun hat, der Lage Herr zu werden.

Eine Rose bringt dem Unternehmen übrigens 50 Cent bis ein Euro, je nach Länge, nicht viel weniger als wir in Berlin bezahlen! Da bleibt nicht viel für Logistik und so. Ach und die Rosen, die heute geschnitten die Halle verlassen haben, könnt Ihr morgen in Berlin kaufen, zumindest einen Teil davon.

Zurück im Gemeindehaus war es Zeit für’s Lunch. Die meisten Kollegen hier wohnen um die Ecke und futtern zu Hause, ich auf dem Dorfplatz, diesmal gab’s Schinkenbrötchen und frisch gepressten Orangensaft.

Jetzt noch schnell mein Postfach checken und weiter ging’s zur Kontrolle mit dem nächsten Kollegen. Snackbars, Supermärkt, Marktstände – heute war Wochenmarkt – und ein bisschen Dorf ansehen. Der alte Dorfkern war sehr idyllisch. Viel Wasser, uralte kleine schiefe Häusschen, ein kleiner Hafen und ne Kirche, sehr hübsch, ein bisschen schief wegen des schwierigen Baugrundes und zu kaufen für einen Euro, allerdings muss man wohl für die Sanierung ca. 2 Millionen veranschlagen, wenn jemand Lust und Geld hat – ich kann das vermitteln.

Aber wir haben wirklich auch gearbeitet, haben Notausgänge, Feuerlöscher, Toiletten und Alkoholausschank und – verkauf unter die Lupe genommen, bin ja jetzt fast schon Profi und nach niederländischer Art sucht man das Gespräch, schreibt Briefe und kontrolliert noch einmal. Es gab heute keine Strafen, nur Warnungen sagt man hier – Kommunikation ist eben alles!

Zurück im Büro habe ich ein paar Fotos gemacht, damit Ihr Euch vorstellen könnt, wie die Büros hier aussehen und noch ein Stunde mit Rihanna – was für ein Name – über die Arbeit vor und nach den Kontrollen gesprochen.

Dann durfte ich für heute Schluss machen und das bei schönstem Sommerwetter. Unterwegs zeigte ein Thermometer 27 Grad. Eiswetter! Ich habe mir ne Kugel „brasilianische Früchte“ gegönnt und den Kindern beim Baden im Springbrunnen hier zugesehen, lekker!

Morgen ist mein letzter Arbeitstag in dieser Woche, meinen freien Kulturtag habe ich auf Freitag verlegt, weil mich ab morgen Abend mein Liebster besucht.

Aber vorher habe ich noch einen Termin beim Bürgermeister, einen mit einer Kollegin, die sich um Brandschutz in Gebäuden kümmert und am Nachmittag noch Außendienst mit dem Kollegen, der die Vergunningen (gesprochen Verchünningen – deutsch Genehmigung) fürs Bauen im Ort bearbeitet und auch kontrolliert.

Vielleicht werden die Berichte in den nächsten Tagen etwas schmaler. Ich bitte dafür um Verständnis – hab ja auch ein Privatleben 😉 und wir haben auch ne Menge Programm.

Tot siens, sagt man hier und ich mache mir jetzt mal Abendbrot.

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Wirtschaftsförderung auf niederländisch …

… gab es heute und gleich hatte ich auch in diesem kleinen Gemeindehaus meinen eigenen Laptop auf dem Tisch zu stehen, inklusive Internet und natürlich gab’s auch gleich noch Wifi fürs Handy und fürs IPad dazu. „Was willst Du trinken“ war die nächste Frage! So macht Arbeiten Spaß und ist auch effektiv. Nachdem ich mein niederländisches Postfach – s.richter@amstelveen.de gecheckt und ein paar Mail beantwortet hatte, ging es dann auch gleich zu Ben.

Der ist ab morgen mein Kindermädchen und ist im Bereich Handhaving und Vergunningen tätig. Er bearbeitet also Genehmigungen für Bauvorhaben, Gewerbebetriebe, Events und noch mehr und überwacht und kontrolliert diese auch und er ist eine Sportskanone mit Rennrad und Marathonerfahrung.

Ab Morgen bin ich mit ihm und meinem neuen Dienstfiets in Uithoorn zu Kontrollen unterwegs. Hoffentlich kann ich da mithalten 😉 wir haben die gemeinsamen Termine bis in die nächste Woche geplant und dann konnte ich bis zum Mittag alles Wissenswerte auf der Internetpräsenz der Gemeinde natürlich auf niederländisch nachlesen. Facebook haben die natürlich auch – das hat hier auch jeder Ort.

Anschließend war noch Zeit für eine kurze Sightseeingtour durch das Gewerbegebiet der Gemeinde und in eines der kleinen Einkaufszentren, nicht so schick wie in Amstelveen, aber gerade im Umbau, damit es bald besser wird. Auch hier die Straßen und Grünanlagen wie geleckt!

Bei einem Stopp in einer kleinen Cafeteria gab es dann das obligatorische Kaasbrotje, Linda hatte mich dazu eingeladen und dann ganz schnell zu einem Meeting im Amstelveener Rathaus.

Es gibt ein gemeinsames Projekt von Amsterdam und den umliegenden Gemeinden zur Entwicklung des Großraumes in den nächsten Jahren und nach einer kurzen Einleitung und Erläuterung ging es in die Arbeitsgruppen. Zur Erwärmung spielten wir das ganze mal theoretisch durch. Jeder zog eine Karte, darauf war der Name einer Gemeinde oder Stadt vermerkt und wir bekamen jeder eine Liste mit den geplanten Projekten, regionalen und überregionalen.

Jeder hatte 15 Millionen zur Verfügung und durfte die mal eben so auf die einzelnen Projekte verteilen, ganz nach persönlichem Empfinden. In einer Tabelle wurden dann die Beträge aller Partner notiert und nun wurde auch das Geheimnis der tatsächlichen Kosten dieser Projekte gelüftet. Unsere Investitionen deckten die Kosten keineswegs und auch die finanzielle Sonderausstattung der größeren Städte half nicht wirklich weiter.

Die Moral von der Geschichte ist, dass nun alle gemeinsam darüber nachdenken müssen, welche Projekte man mit den zur Verfügung stehenden Mitteln tatsächlich angehen wird. Sollen es die Favoriten wie Radwege und touristische Atraktionen oder dann doch die erneuerbaren Energien für die Zukunft sein. Klingt wie im echten Leben und macht deutlich, dass es wichtig ist, alle an einen Tisch zu holen.

Am witzigsten fand ich, dass die Bürgermeisterin von Aalsmeer mit am Tisch saß und nun aber durch das Lossystem eine ganz andere Gemeinde vertrat mit anderen Problemen und anderer geografischer Lage.

Nach diesem kleinen Exkurs in die Politik und die niederländische Kultur und Sprache habe ich mich dann von den anderen verabschiedet – wir Berliner hatten heute noch ein gemeinsames Treffen – hier in meinem Kiez und für mich zu Fuß zu erreichen. Da schmeckt das Bier gleich viel besser und bei diesem Meeting wurde deutsch gesprochen, auch schön. Natürlich nur untereinander, die Bestellung ging wie immer auf englisch – aber das ist ja Pillepallle.

Nun werde ich mich aber mal ins Bettchen verabschieden und nicht von meiner Handyrechnung träumen, die mich per Mail heute Abend ereilt hat und mir nach diesem schönen und erlebnisreichen Tag einen kurzen Tritt in die Magengrube versetzt hat. 😦

Ich werde bald singen gehen hier. Vielleicht bewerfen mich die Leute mit Geld, damit ich damit aufhöre 😉

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Neue Woche, nun schon die dritte …

… und eine neue Gemeinde und ein neuer Bereich. Ab heute ist mein Arbeitsweg weiter – fast 20 km sind es nun und damit auch erst einmal nichts für die geliebte Radtour am Morgen.

Ab jetzt geht es in die Wirtschaftsförderung von Uithoorn. Doch zum angewöhnen konnte ich heute früh noch einmal nach Amstelveen zum Raadhuis radeln, weil der Tag dort mit einem Meeting einiger Gemeinden der Provinz Nordholland begann. Das war mit einem kleinen Umweg verbunden, weil ich wohl irgendwo den Abzweig verpasst hatte und tief im Amsterdamse Bos gelandet war… ein freundlicher Passant half mir zurück auf den Pfad der Tugend und ich war sogar noch pünktlich. Nun muss dass Fiets dort schlafen bis Morgen, weil ich dort den morgigen Tag mit einem Meeting beenden werde.

Heute früh ging es um Geld, 100.000 Euro sollen in der Gemeinde verteilt werden, für die Verschönerung von Gewerbeimmobilien. Natürlich war wieder alles in Landessprache und ich musste mich bemühen, wenigstens einige Brocken aufzuschnappen. Linda, meine neue Praxisbetreuerin hat mir im Anschluss das Wichtigste auf deutsch erzählt und dann ging es ins Gemeindehaus nach Uithoorn mit dem Auto.

Dort angekommen wurde ich wie immer von allen freundlich begrüßt und allen Kollegen vorgestellt, dann ein kurzes Lunch im Einkaufszentrum – Kaasbrodje, Wasser, Twix auf einer sonnigen Bank und weiter geht’s.

Der Gemeindedirektor Klaas de Vries hatte eingeladen und wollte mich auch kennen lernen, wenn ich schon in seinen Gewässern nach Informationen fische. Klaas spricht gut deutsch und so wurde aus der kurzen Vorstellungsrunde ein langes angeregtes Gespräch. Schon komisch, dass man sich hier immer und mit allen gleich duzt, wo wir in Berlin gerade noch beim Hofknicks sind. Aber das nimmt die ersten Hürden und lässt sofort eine Art Vertrautheit aufkommen. Klaas war sehr interessiert und will mich auch nach meiner Zeit in Uithoorn noch einmal treffen und hören, was ich an Erfahrungen gesammelt habe und welche Erkenntnisse ich mitnehme nach Hause. Na da habe ich ihn ganz spontan mal zur Abschlusspräsentation eingeladen und versprochen auch gern noch einmal persönlich Bericht zu erstatten.

Das Gemeindehaus von Uithoorn, ist auch wieder auf dem modernsten Stand. Helle und lIchtdurchflutete, offene Großraumbüros, wo sich jeder sein Plätzchen sucht am Morgen und auch findet. Natürlich nur, wenn man nicht zu Hause arbeiten kann und möchte. Es gibt wie immer hier alle Getränke frei für alle Mitarbeiter und es gibt überall Rückzugsmöglichkeiten, kleine gemütliche Sitzgruppen zum einfach mal drüber reden mit Kaffee in der Hand und das alles ganz ohne Misstrauen, dass die Arbeit nicht erledigt werden könnte. Und was Klaas mir noch sagte – die Schreibtische sind immer leer, wenn man morgens beginnt. Jeder hat ein Schließfach für seinen eigenen Papierkram und niemand kommt demotiviert an einen überfüllten Schreibtisch. Und Uithoorn ist ein kleine Gemeinde mit 30.000 Einwohnern! Nicht der Nabel der Welt!

Gegen drei durfte ich dann heute schon den Rückzug gen Heimat antreten und das bei schönstem spätsommerlichen Wetter. Da war also,genug Zeit für ein bisschen in der Sonne sitzen, im Park am Wasser direkt hinter dem Gemeindehaus, den Spaziergang zum Bus – ganz ohne Eile, eine Stunde auf der sonnigen Terrasse und die Vorbereitung meiner Abschlusspräsentation. Die steht nun tatsächlich. Ich werde mir das Ergebnis noch einmal in zwei Tagen ansehen und vielleicht einiges korrigieren und dann entspannt dem großen Tag entgegensehen.

Es ist ein ziemlicher Rummel geplant. Die Bürgermeisterin aus Tempelhof/ Schöneberg wird samt EU-Beauftragter erwartet, die Bürgermeisterin von Amstelveen ist sowieso da, alle unsere Praxisbegleiter werden da sein, wir zehn Berliner und -innen 😉 und auch Vertreter der anderen Partnergemeinden wie Aalsmeer, Alphen und Uithoorn.

Heute gibt’s ein paar Bilder vom Weg zum Meeting in Amstelveen und der Feierabendstimmung in Uithoorn. Ich habe mich nicht getraut gleich mit der Kamera durch das Amt zu laufen 😉 vielleicht mache ich das Morgen für Euch.

Slaap lekker!

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Halbzeit …

… ist es nun schon und noch dazu traumhaftes Wetter.

Weil Ihr aber gestern darben musstet, spule ich mal kurz zurück.

Es ist Samstag um sieben und der Wecker klingelt. Da stimmt doch was nicht! Doch, ist alles in Ordnung, heute geht es mit meinem Kollegen Jörg auf die Nordseeinsel Texel und weil die Anreise ein bisschen dauert, haben wir uns für eine frühen Start entschieden.

Und so ging es mit Zug, Bus, Fähre und noch einmal Bus auf die Nordseeseite der Inselmitte nach De Koog. Schon der erste Kontakt mit dem Meer und den Möwen auf der Fähre, die den Touristen das Brot aus der Hand schnappten und dem Wind, der die schlechten Gedanken wegbläst war ganz wunderbar und wir freuten uns beide auf diesen Tag am Meer.

Also an den Strand und ins erstbeste Strandlokal, erst Kaffee, dann das Bier von der Insel und Kibbeling mit Remoulade für mich und Pannkoeken mit Käse und Schinken für Jörg und dann endlich richtig an den Strand. Schuhe aus, Nase in den Nordseewind und die Füße ins Wasser. Genau deshalb waren wir hier. Die endlose Weite des Strandes, feinster weißer Sand, Kitesurfer im Wasser, Meeresrauschen, peitschender Nordseewind und Sonne. Nur mit der Sonne, das war so eine Sache, vor und hinter uns leuchtete der Strand schon mal in der Sonne, aber wir bewegten uns scheinbar immer unter einer dicken Wolke.

Eigentlich wollten wir die Inselspitze im Norden mit dem Leuchtturm erreichen, dann weiter nach De Cocksdorp und von dort mit Bus und Fähre zurück. Aber so ist das, wenn man sich die Dimensionen der Insel nicht vorher genau ansieht. Wir liefen und liefen und liefen am Strand, aber irgendwie machten wir nicht wirklich Strecke. Irgendwann tauchte dann das Blinken des Leuchtturmes am Horizont auf und uns wurde klar, dass wir dieses Ziel nicht erreichen werden. Planänderung und ab über die Dünen zum nächsten Dorf. Aber die Dünenlandschaft nimmt hier kein Ende. Es ist eine merkwürdig hügelige Landschaft mit allerlei Sträuchern und Brombeergestrüpp, dazwischen die Heide fast am Blühen und bis zum Horizont keine Ende abzusehen.

Wir liefen also und liefen und nachdem wir ein Ehepaar aus Deutschland mit Karte und Inselerfahrung getroffen hatten, stand fest, dass wir nun in der Dünenlandschaft den Rückzug nach De Koog antreten müssen um die letzte Verbindung nach Amsterdam noch zu bekommen.

Als wir De Koog endlich erreicht hatten ging es schnurstracks in die nächste Kneipe. Sitzen, das war schön! Und nun noch ein Bier und einen Kaffee und das alles von einem Kellner serviert, der mit den beeindruckendsten blauen Augen, die ich je gesehen habe, in die Welt schaute. Jörg und ich konnten uns kaum beruhigen und so blieben wir noch ein bisschen sitzen, plauderten, sahen dem Treiben auf der Dorfstraße zu – da war heute großes Fressfest – und tranken unser Tesselbier. Versöhnt von alldem gab es dann noch eine Pizza am Wegesrand und dann ging es zurück nach Amsterdam.

Im Zug waren wir beide ganz schön still. Die Nordseeluft, der lange Fußmarsch und die Erlebnisse des Tages hatten uns müde gemacht und so war ich dann auch froh, als ich wieder hier in meinem gemütlichen Zimmer angekommen war und freute mich aufs kuschelige Bett und den Sonntag ohne Wecker und ohne Bauarbeiter auf der Straße.

Und so begann der Sonntag auch sehr ruhig, erst grauer Himmel und die fast erfolglose Jagd nach frischen Brötchen – ein kleines Kaffee rettete mein Frühstück mit Croissants zum mitnehmen – und ein gemeinsames Frühstück mit Bernadette. Dann ging’s wieder auf mein Zimmer. Fotos sortieren und hochladen, Nagelpflege und Duschen, ein Sonnenbad auf der Terrasse und dann musste ich aber noch vor die Tür.

Ich schnell die Kamera und die Fahrradtasche geschnappt und rauf auf den Drahtesel. Heute wollte ich mal den Hafen und den Westerpark erkunden. Also bin ich durch den Sonnenschein geradelt im kurzen Sommerkleid, habe fotografiert, Pausen gemacht, die Menschen beobachtet und bin weiter geradelt.

Der Hafen ist eine Mischung aus Industriegelände, einigen nagelneuen modernen Gebäuden, einem Strand, der keiner ist, weil er ja im Hafen liegt und war heute ein bisschen wie ausgestorben. Darauf hatte ich auch keine Lust und bin weiter zum Westerpark, das ist ist ein altes Industriegelände, nagelneu umgestaltet, sehr schick und mit viel Grün. Das gefiel mir schon besser und so drehte ich dort meine Runden bis es kühler wurde, weil die Sonne ihre Kraft langsam verlor.

Auf meinem Rückweg gab es noch einen Stop mit nem Twix und dem Reieseführer auf einer Bank, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen und dann ging’s heim mit einer guten Flasche Portwein im Gepäck, für den Sonntagabend.

Nun lasse ich hier den Tag Revue passieren und werde mich gleich mit einem Gläschen belohnen und darüber hinweg trösten, dass ich wieder ungeküsst und allein ins Bett gehen werde.

Morgen beginnt schon die dritte Woche. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und ich bin gespannt, was ich noch alles erleben, sehen und lernen werde und wann ich wohl anfange, meine Abschlusspräsentation vorzubereiten? 😉 aber keine Sorge, das Gerippe steht schon im Kopf.

Euch allen einen guten Start in eine neue Woche und schmollt nicht, wenn der Wecker morgen wieder rasselt. Das nächste Wochenende kommt bestimmt.

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Der Sommer ist zurück …

… hier in Amsterdam, die Sonne schien den ganzen Tag und ich konnte sogar mit kurzen Ärmeln fietsen 🙂

Aber fangen wir mal morgens an. Die Bauarbeiter auf der Straße wollten mich auch heute nicht ausschlafen lassen und die Sonne lachte mich an, also bin ich doch früher aufgestanden als geplant und hatte so eine mEnge Zeit zum herumtrödeln vor der Arbeit.

Das fühlte sich richtig gut an. Gegen zehn dann aufs Fiets und den extragrünen Weg ins Büro genommen, am Amsterdamse Bos vorbei und weit ab vom Verkehr und weil ich sehr zeitig dran war, gab es noch einen Kaffee auf der Rathausterrasse am See. Aber Müßiggang stand ja nicht im Programm! Kurz vor elf bin ich also hoch ins Büro zu Ineke, die schon fleißig war, trotz des späten Feierabends gestern. Da bekommt ich gleich ein schlechtes Gewissen.

Dann die obligatorische Vorstellungsrunde bei den Kollegen des heutigen Tages, das Team Handhalving HoReKa, was übersetzt heißt Kontrolle der Hotels, Restaurants und Kaffees. In erster Linie geht es hier um Nichtraucher- und Jugendschutz, aber alle anderen Themen wie Brandschutz, Spielautomaten und alle anderen Gesetzmäßigkeiten bezüglich dieser Etablissements werden natürlich mitgeprüft.

Ineke erklärte mir schon mal Ihre Aufgaben und verabschiedete sich dann für 15 Minuten zur Massage. Mich hat leider niemand gefragt, also hab ich in dieser Zeit Hans-Peter, Ihrem Kollegen, der gestern Abend auch dabei war, Löcher in den Bauch gefragt und mir gleich mal einen Art Bußgeldkatalog – 300 Seiten PDF – schicken lassen. Alles oder sagen wir mal vieles ist hier in diesem Werk einheitlich fürs ganze Land geregelt und was nicht geregelt ist, wird wie bei uns am Schreibtisch entschieden. Hier gibt es nur den kleinen Unterschied, dass Bußgelder für tatsächliche Verstöße in die PDA’s eingetickert und dann zentral für das gesamte Königreich bearbeitet werden. Das ist dann Thema der Justiz und ist unter dem Namen Inkasso zusammengefasst. Die Kommunen können aber Geldstrafen quasi vorab als Drohung verhängen, und diese Beträge kassieren sie dann auch selbst.

Bei der Kontrolle gestern Abend hatte Hans-Peter festgestellt, dass die Notausgänge schwierig zu öffnen waren. Er hätte eine Geldstrafe verhängen können, hat sich aber für eine E-Mail an den Veranstalter entschieden. Das hilft schneller, das Fest geht ja noch das ganze Wochenende und kostet auch nichts. Der niederländische Weg eben. Kommunikation statt Zwang. Ganz nebenbei erfuhr ich, dass es eine Internetseite gibt, auf der man von allen niederländischen Fahrzeugen die Fahrzeugdaten inklusive des Versicherungsstatus und der Anzahl der bisherigen Halter für jedermann zugänglich erhält, allerdings ohne die persönlichen Daten des Fahrzeughalters. Schräg, oder? Ach und Personalausweismitnahme ist Pflicht, sonst kostet das auch Geld.

Inzwischen war Ineke wieder locker im Nacken und es ging los zur Kontrolle. Wir beide rauf aufs Fiets, natürlich jeder ein eigenes und ab zum Shoppingcenter inklusive Wochenmarkt und ein Paar anderen Geschäften am Straßenrand.

Ineke erklärte mir, dass es hier nicht erlaubt ist, hochprozentigen Alkohol an Marktständen, in Geschäften oder Kaffees zu verkaufen. Dies dürfen ausschließlich die Spirituosengeschäfte und Restaurants und in den letzteren ist es auch nicht erlaubt, dass Jugendliche unter 18 Jahren am Tisch mit den Eltern Alkohol trinken, auch kein Bier oder ein Glas Wein. Das müsste der Restaurantbetreiber dann mit einem Bußgeld teuer bezahlen. Ja richtig gelesen, nicht die Eltern sondern der Wirt. Was den Jugendschutz betrifft, machen die Niederländer richtig ernst.

Gestern Abend auf dem Fest wurden alle potentiell nicht Volljährigen bei der Einlasskontrolle nach dem Ausweis gefragt. Unter 18 – oranje Bändchen, alles darüber in grijn und der Sicherheitsdienst hat per Kamera das gesamte Festzelt nach trinkenden und in der Smokingzone auch nach rauchenden Jugendlichen durchweg überwacht. Dazu noch die Kontrolle vom Handhaving. Das ist schon ein kluges und sicheres System. Da bleibt nur noch heimlich trinken und rauchen, bei Mutti zu Hause oder an abgeschiedenen Orten.

Aber nun zurück zum Freitag, Kontrolle beendet, ein Kaasbrodje schnell aus der Hand und zurück ins Büro. Dort gab es noch einen gemeinsamen Kaffee mit den Kollegen, die noch nicht im Wochenende waren und ein sehr offenes Gespräch über die Arbeit im Rathaus und über Gott und die Welt.

Auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Trotz der immer gepriesen Trennung von Politik und Verwaltung mischt sich die Bürgermeisterin in die Arbeit der Verwaltung ein und legt auch fest, was geahndet wird und was eben nicht und wo Restaurants Lärm machen dürfen, egal ob es die Anwohner stört. Nun ist sie ja keine richtige Politikerin, jedenfalls keine gewählte, aber das führt auch bei den Kollegen hier zu Unverständnis und Hilflosigkeit … was sollen sie und was eben nicht. Oft ist es ein schmaler Grat und hat nichts mit den gesetzlichen Bestimmungen zu tun.

Aber die Stadträte machen das auch so und die heißen hier Wethouders, was so viel heißt wie Gesetzeshalter heißt, naja. Da ist der Name schon mal nicht immer Programm. Und auch hier werden Stellen gespart und der Arbeitsdruck steigt, obwohl die Kollegen hier effektiver arbeiten können, wegen der super modernen Technik und der damit verbunden Arbeiserleichterung.

Aber jetzt war es auch für mich Zeit für den Start ins Wochenende. Und es war früher als an all den anderen Tagen, dazu wunderbarster Sonnenschein – es scheint fast, als hätte ich die Sonne mit hierher genommen, wenn ich mir euer Wetter so ansehe. Das tut mir leid, aber ich werde es auch nicht ändern.

Ich also aufs Fahrrad, hier ein Fotopäusschen, da einen Blick auf die Natur und die Architektur am Wegesrand, vorbei an Grachten und einem Trödelladen am Wegesrand, total ranzig mit einer Mischung aus Secondhand und Konkursverkauf – aber rein musste ich trotzdem.

Dann schnell ein paar Leckereien eingekauft, die Fahrkarte im Supermarkt aufgeladen für die morgige Fahrt nach Texel, das spricht man übrigens Tessel, kurz auf dem Merkatorplein zugesehen, wie eine Menge Buden und ne Bühne aufgebaut wurden, das sieht nach ner Party im Kiez aus und ich nicht da, grrrr.

Und dann Klamotten abgeworfen, Liegestuhl, Buch, mein Abendessen und einen guten Saft auf die Terrasse geschleppt und den Freitagabend genossen. So kann ein Wochenende beginnen und morgen wird Nordseeluft geschnuppert und die Füße im Watt gebadet, Badesachen sind leider nicht im Koffer gewesen.

Habt auch ein schönes Wochende, denkt manchmal an mich und bleibt dran hier!

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Heute Außendienst …

… der anderen Art, eben niederländisch. Meine lieben, es war zehn Minuten vor zwölf abends als ich zu Hause war, aber es war wieder ein Tag voller Erlebnisse und Erfahrungen. Und ich kann Euch nur sagen, wenn Ihr eine Stelle im Außendienst sucht, hier heißt das Handhaving, dann geht hierher.

Es wird hier besser bezahlt, die Arbeitsbedingungen sind besser und die Tage abwechslungsreicher und in Sachen technischer Fortschritt ist hier das Paradies, dazu ne 36 Stunden-Woche aber nur 5 Wochen Urlaub, dafür sehr freundliche Kollegen mir sehr viel Spaß an der Arbeit und am Leben überhaupt und die kostenlosen Getränke sind auch nicht zu unterschätzen. Also ich habe mich schon dran gewöhnt, dass der Kaffee fertig ist, wenn ich ins Büro komme.

Aber nun von vorn. Um sieben bin ich hier los mit dem Bus heute, weil es nicht anders in meinen Terminplan passte. Als ich in Amstelveen verzweifelt nach dem Werkhof sucht, wo auch die Kollegen vom Handhaving sitzen, half mir erst eine nette ältere Dame im Rollstuhl, sie hielt einfach und und sah zu mir rüber als ich meine riesige Karte aufklappte, so dass ich nicht anders konnte, als auf die andere Straßenseite zu gehen und zu fragen.

Als nächstes stand ich vor dem falschen Gemäuer und fragte eine Arbeiter, der gerade reingehen wollte. Der nahm mich flugs an die Hand, brachte mich die 50 Meter und fragte im Büro nach meinem Ansprechpartner und er brachte mich in den zweiten Stock ins richtige Zimmer, wow.

Dort bekam ich sofort den gewünschten Cappuchino, alle stellten sich vor und freuten sich über meinen Besuch und wir besprachen die Tagesplanung. Und die war voller Überraschungen.

Erst ging es mit zwei Kollegen im Dienstwagen raus. Wir kontrollierten Hunde, parkende Autos, schauten nach Müll und im Auto – nur wegen mir, sonst auch gerne zu Fuß oder auf dem Fiets. Mir fiel auf, dass es keinen Schlagstock und kein Pfefferspray gibt und auf Nachfrage sagte mir ein Kollege „wir arbeiten hier mit dem Herzen und mit dem Mund“. Das sind unsere Waffen, mehr brauchen wir nicht – mir fiel die Kinnlade fast runter und ich war sofort auf seiner Seite. Dann gab es einen kostenlosen Kaffee in Aalsmeer im Rathaus und danach ab ins Boot mit einem Kollegen vom Bauamt zur Überprüfung von Gebäuden mit und ohne Genehmigung, Parkkontrolle auf dem Wasser – es gibt hier ne Menge Boote und nur begrenzte Parkplätze 😉 und auch Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen auf dem Wasser gehören zum Repertour. Und weil die Jungs mir zeigen wollten, was Ihr Boot so kann und auch Spaß mögen, ging es mit fast 80 km/h über en großen See zurück. Ja ich habe mich nicht vertippt. Ich bekam bei der Geschwindigkeit ein temporäres Facelifting und hatte zu tun, alle meine Sachen festzuhalten, hui war das eine Fahrt.

Dann ging es zurück zum Werkhof und erst einmal Lunch mit den Kollegen, aber alles kurz und knapp, es gab noch mehr zu tun. Aber eine junge Frau nahm mich gleich ins Schlepptau, zeigte mir die Kantine und wie es geht und wir hatten ein sehr netten Gespräch – Sie organisiert die Arbeit drinnen, also so eine Art Leitstelle.

Es gab zwei Beschwerden für uns – ein abgebranntes Fiets und Müll am Straßenrand, also weiter geht’s und danach gleich noch ein bisschen Parkraumkontrolle. Die Kollegen hier scannen mit dem PDA das Kennzeichen, bekommen sofort alle Infos aufs Display, ob bezahlt, wie lange bezahlt, versichert, gestohlen und die Fahrzugdaten und wenn irgendein Verstoß vorliegt, werden die Daten direkt benutzt um das Ticket zu fertigen und ein kleiner Drucker am Gürtel spuckt das Knöllchen aus und zack unter den Scheibenwischer. Parkverstöße kosten hier übrigens 90 Euro plus sieben Euro Tax, womit sicher die Bearbeitungsgebühr gemeint ist.

Jetzt war es aber höchste Zeit für den Evaluationstermin in Amstelveen, also rein ins Auto, dann schnell noch Kaffee und Zigarette auf der Rathausterrasse mit Blick aufs Wasser und auf geht’s zum nächsten Termin.

Unsere Obermutti Anne wollte wissen wie es uns geht, was uns fehlt, was verändert werden muss und erklärte, was von unserer Abschlusspräsentation erwartet wird. Die ist am 23.09. mit Bürgermeistern aus Berlin und von hier und allen Praktikanten und Betreuern. Dabei lernte ich endlich auch Linda kennen, die mich die nächsten 2 Wochen betreuen wird. Wir fanden gleich einen guten Draht und Sie hatte fast mehr Angst vor meinen Erwartungen als ich vor ihren. Sie ist die einzige, die mich hier jemals mit Frau Richter angesprochen hat, aber das soll so nicht bleiben, hoffe ich.

Dann ging es auf zu Pieters Familie, Marjolijn, seine Frau hat für mich gekocht, ich habe auch die beiden erwachsenen Töchter kennen gelernt, jeder hat von mir ein Geschenk bekommen und wir hatten zwei schöne Stunden. Eine wunderbare Familie, sehr herzlich und sie haben sich so sehr gefreut über meinen Besuch wie ich mich über die Einladung. Ich würde mich sofort adoptieren lassen!

Dafür war aber keine Zeit mehr. Es ging wieder zu einer Kontrolle. In Aalsmeer gibt es ein großes Fest am Wochenende, heute war der erste Abend und wir haben die Einhaltung des Jugendschutzes kontrolliert, Lärmpegel gemessen und mit der Erlaubnis abgeglichen und haben auch sonst wachsam auf die Einhaltung der Gesetze geachtet…aber nach elf wollte ich dann endlich heim.

Pieter hat mich mit dem Auto gebracht, dass ging sehr schnell und morgen früh gibt es kein Weckerklingeln. Mein Dienst beginnt um 11:00 Uhr und es geht zur Marktkontrolle. Klingt auch interessant, oder?

Pieter sagte noch, dass es dort viele leckere Sachen gibt, Poffertjes, Stroopwaffles und und und. Also mit dem Fiets zur Arbeit, dass ist besser für den Kopf, fürs Portemonnaie und für die Hüften 😉

Die ganzen vielen Kleinigkeiten, die ich nicht geschrieben habe, werde ich Euch gern nach meiner Rückkehr erzählen. Ein paar Fotos vom Tag gibt es aber hier.

Ach und ich kann auf dem privaten IPad oder sonst irgend einem PC auf der Welt alle meine dienstlichen Mails abrufen, lesen und beantworten, weil ich ja nie im Büro bin. Wifi im Rathaus habe ich sowie schon seit Tagen auf dem IPad und dem MobilphoneWas stimmt in Berlin nicht? Haben die den Fortschritt verschlafen?

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