Aalsmeer

ein Paradies für Frauen …

… Blumen so weit das Auge reicht gab es nach einem frühen Start in den Tag und der ca. einstündigen Anreise mit dem Bus. So früh, dass bei einigen noch nicht einmal die Straßenbahn fuhr und sie die erste Etappe des Weges zu Fuß zurücklegen mussten.

Um zehn nach sieben waren endlich alle eingetrudelt und unsere Führung begann. Alles ziemlich im Eiltempo, das Blumenauktionsgeschäft beginnt um vier und ist gegen acht Uhr erledigt, dann ist alles verkauft, was seit dem Nachmittag des Vortages hier angeliefert würde. 21 Millionen Blumen und Topfpflanzen werden so im Schnitt pro Tag verkauft, davon kommen ca. 70 % aus den Niederlanden, der Rest kommt mit dem Flugzeug aus aller Welt, um dann wieder auf die Ganze Welt verteilt zu werden.

Die gesamte Fläche dieses riesigen Logistikzentrums umfasst mehr Quadratmeter als Monaco, wenn man alle Etagen nebeneinander legt und vieles hier geht wie von Geisterhand. FloraHolland ist ein Art Genossenschaft der Blumen- und Pflanzenerzeuger hier vor Ort und alles was hier produziert wird, wird ausschließlich über FloraHolland verkauft, davon mindestens zwei Drittel mittels Auktion – der Erzeuger darf bis zu einem Drittel auch vorher zu einem Festpreis verkaufen. Aber niemand weiß, ob der Preis in der Auktion dann nicht doch günstiger gewesen wäre und für wen, von beiden 😉

Die Auktionen laufen so schnell, dass man Mühe hat, das zu verstehen. Es läuft eine Uhr abwärts von 100 bis 0 und alle Angaben zur Auktion und der angebotenen Ware finden sich in dem Kreis – auch die Höhe des Betrages, um den es geht – es müssen nicht immer 1 Cent-Beträge sein, sondern wenn die Uhr bei beispielsweise 15 angehalten wird und es um 20 Cent-Beträge ging, zahlt man 15 x 20 Cent pro Stück oder pro Strauß – auch diese Information findet sich in der Anzeige.

Wer zu schnell am Drücker ist und die Uhr anhält, zahlt einen hohen Preis, wer zu lange wartet hat womöglich gar keine Ware. Bezahlt wird sofort beim Anhalten der Uhr online und es gibt kein zurück.

Läuft die Uhr ab ohne einen Käufer, dann war es das, für die Blumen – die Ware wird kein zweites Mal eingestellt.

Hartes Geschäft und schwer zu durchschauen, es dauert ca. ein Jahr bis ein Auktionator gut ist. Die Qualitätsangaben zu den Blumen machen die Erzeuger selbst, stimmt da was nicht, schlichtet FloraHolland den Streit und wird den Erzeuger mindestens 3 Stufen von 10 für mindestens 3 Monate runterstufen und die Qualität täglich überprüfen. Also sind alle lieber realistisch und machen korrekte Qualitätsangaben.

Ich hoffe, ich habe mir das richtig gemerkt – es waren 90 Minuten im Informationsrausch voller visueller Reize, denen ich kaum wiedersehen konnte. Hätte ich doch nur ein Rollköfferchen dabei gehabt 😦 aber nix da, nicht einmal die Mitarbeiter dürfen sich was einsacken oder kaufen!

Danach war es Zeit für ein richtiges Frühstück, unsere Truppe also zurück nach Amstelveen auf der Suche nach einem gemütlichen Ort mit Frühstücksangebot – aber vor zehn ist das schwierig. Es gibt keine Frühstückskultur hier in den Niederlanden und damit auch keine Bäcker die so zeitig aufmachen und dann noch Tische haben. Bei dem fluffigen Brot hier ist es aber auch egal ob es frisch ist oder drei Tage alt. Man kann in jedem Fall ein ganzes Brot mit eine leere Smartiesschachtel, Ihr wisst schon – diese runden reinbekommen, wenn man sich Mühe gibt.

Aber wir hatten dann doch noch Glück und ich bekam sogar Rühreier mit Proscutto, leider war der aber so eine Art Trockenfleisch, wie es bei uns inzwischen auch als Snack im Supermarkt angeboten wird, grrrr.

Aber zu viel Zeit hatte ich nicht, um elf mein Termin bei Klaas in Uithoorn und mindestens eine halbe Stunde Anfahrt. Ich war fünf Minuten zu spät, aber das nimmt hier niemand so genau. Da kann man auch als kleine Praktikantin den Gemeentedirektor mal warten lassen – aber meine Art ist das eigentlich nicht.

Das Gespräch wär sehr angenehm und entspannt und er bekam ein Buch über meinen Bezirk von mir und blätterte auch gleich interessiert. Er versprach beim nächsten Besuch auch in Lichtenberg vorbeizuschauen – er war eben so als Tourist immer im Stadtzentrum hängen geblieben. Aber das kennt wohl auch jeder von solchen Citytrips.

Danach war ich noch mit meiner Praktikumsbetreuerin in Uithoorn – Linda zum Lunch, ich wollte sie noch einmal einladen. Das war ein billiges Lunch – zwei Kaasbroodje und vier Euro ärmer verspleißten wir die gemeinsam auf der Bank. Das Wetter hier hat sich beruhigt, kein Regen, dafür Wind aber auch immer mal Sonne.

Das waren also meine letzten Termine hier, morgen wird gepackt und danach geht es privat weiter, Hausbooturlaub zu viert mitten in Amsterdam.

Aber heute Abend ging’s dann noch zum Abschiedsbierchen mit den Berliner Kollegen. Die Mercatorpleinliebhaber haben sich durchgesetzt, also für mich zwei Minuten Fußweg hin und zwei Minuten zurück!

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einen Feuerwehreinsatz …

… wegen einem platten Reifen gab es heute, doch wir fangen wie immer vorn an.

Nach einem gemütlichen Frühstück und der anschließenden Nahrungssuche für die nächsten Tage, führte uns der Weg heute mit den Rädern aus der Stadt hinaus. Es ging am Olympiastadion vorbei, durch den Amsterdamse Bos bis zur Ziegenfarm und dort gab es twee Cupje Coffje Verkeert für uns und ne Flasche Milch für die kleinen Ziegen. Steffen hatte daran seinen Spaß und die kleinen Zicklein auch. Beim Kaffee pickten uns die Hühner um die Füße herum und bis auf die Flieger am Himmel herrschte hier eine wunderbar friedliche Atmosphäre.

Aber unser Ziel war noch nicht erreicht. Es sollte noch zum
Wassertoren nach Aalsmeer gehen und das waren noch ein paar Kilometerchen, leider an der Straße entlang, weil ich den richtigen Weg nicht fand. Aber wir kamen trotzdem am See an. Die Sonne hatte sich derweil verkrümelt – dafür hatten allerlei Wassersportler Ihre Freude an dem Wind, der aufgekommen war. Nur die schöne Restauration am Ufer des Sees war heute geschlossenen Gesellschaft nicht für uns geöffnet – dennoch waren sie dort gnädig mit uns und wir bekamen wenigstens einen Drink. Auf dem Rückweg hielten wir noch an der Mühle an, diemsogar in Aktion war und dann ging’s an einem schönen Kanal wieder zurück Richtung Amsterdam.

Beeindruckend blieben wir aber Wegesrand stehen, als die Flugzeuge nach Schiphol knapp über unseren Köpfen einschwebten und auch wir wurden, wie die vielen anderen Radfahrer ungewollt zu Airportstalkern 😉 aber imposant ist es allemal, auch wenn ich dort nicht wirklich wohnen möchte.

Auf dem Rückweg wollte Steffen dann gern noch den Umweg über Amstelveen, wollte sehen, wo ich arbeite – manchmal wenigstens – und
Zeit für einen Snack war es auch. Doch da hatten wir die Rechnung ohne den fiesen Nagel auf der Straße und den unfreundlichen Verkäufer vom Fahrradladen gemacht. Steffen hatte also einen Platten, wir schoben die
Räder zum nächsten Bikeshop, aber die wollten in 15 Minuten schließen und der Verkäufer hatte überhaupt keine Lust uns zu helfen.

Was also machen jetzt? Die Geschäfte inzwischen zu, Busse nehmen wohl keine Fahrräder mit … und da kommt mal wieder Pieter ins Spiel, als Retter in der Not.

Ich also angerufen, Pieter eilte mit dem Feuerwehrauto herbei, klärte am Telefon mit dem Fahrradverleiher in Amsterdam, dass sie das kaputte
Rad in Amstelveen abholen müssen und fuhr Steffen zum Fahradverleih zurück, ein neues Fiets abholen. Ich radelte inzwischen flux nach Amsterdam zurück und traf meinen Steffen am Fietsenwinkel wieder. Pieter war schon wieder los – der hatte ja eigentlich Feuerwehrbereitschaft und irgendwie ja auch ein Wochenende.

Wir haben uns dann mit einen guten Burger belohnt, sind kurz nach Hause zum Umziehen und haben uns dann noch einmal ins beginnende Nachtleben von Amsterdam gestürzt. Doch der anstrengende erlebnisreichen lange Tag und ein paar Bier brachten die Müdigkeit in unsere Augen und so ließen wir uns mit der Tram heimbringen. Jetzt freue ich mich aufs Bettchen und wünsche Euch eine gute Nacht.

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Heute Außendienst …

… der anderen Art, eben niederländisch. Meine lieben, es war zehn Minuten vor zwölf abends als ich zu Hause war, aber es war wieder ein Tag voller Erlebnisse und Erfahrungen. Und ich kann Euch nur sagen, wenn Ihr eine Stelle im Außendienst sucht, hier heißt das Handhaving, dann geht hierher.

Es wird hier besser bezahlt, die Arbeitsbedingungen sind besser und die Tage abwechslungsreicher und in Sachen technischer Fortschritt ist hier das Paradies, dazu ne 36 Stunden-Woche aber nur 5 Wochen Urlaub, dafür sehr freundliche Kollegen mir sehr viel Spaß an der Arbeit und am Leben überhaupt und die kostenlosen Getränke sind auch nicht zu unterschätzen. Also ich habe mich schon dran gewöhnt, dass der Kaffee fertig ist, wenn ich ins Büro komme.

Aber nun von vorn. Um sieben bin ich hier los mit dem Bus heute, weil es nicht anders in meinen Terminplan passte. Als ich in Amstelveen verzweifelt nach dem Werkhof sucht, wo auch die Kollegen vom Handhaving sitzen, half mir erst eine nette ältere Dame im Rollstuhl, sie hielt einfach und und sah zu mir rüber als ich meine riesige Karte aufklappte, so dass ich nicht anders konnte, als auf die andere Straßenseite zu gehen und zu fragen.

Als nächstes stand ich vor dem falschen Gemäuer und fragte eine Arbeiter, der gerade reingehen wollte. Der nahm mich flugs an die Hand, brachte mich die 50 Meter und fragte im Büro nach meinem Ansprechpartner und er brachte mich in den zweiten Stock ins richtige Zimmer, wow.

Dort bekam ich sofort den gewünschten Cappuchino, alle stellten sich vor und freuten sich über meinen Besuch und wir besprachen die Tagesplanung. Und die war voller Überraschungen.

Erst ging es mit zwei Kollegen im Dienstwagen raus. Wir kontrollierten Hunde, parkende Autos, schauten nach Müll und im Auto – nur wegen mir, sonst auch gerne zu Fuß oder auf dem Fiets. Mir fiel auf, dass es keinen Schlagstock und kein Pfefferspray gibt und auf Nachfrage sagte mir ein Kollege „wir arbeiten hier mit dem Herzen und mit dem Mund“. Das sind unsere Waffen, mehr brauchen wir nicht – mir fiel die Kinnlade fast runter und ich war sofort auf seiner Seite. Dann gab es einen kostenlosen Kaffee in Aalsmeer im Rathaus und danach ab ins Boot mit einem Kollegen vom Bauamt zur Überprüfung von Gebäuden mit und ohne Genehmigung, Parkkontrolle auf dem Wasser – es gibt hier ne Menge Boote und nur begrenzte Parkplätze 😉 und auch Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen auf dem Wasser gehören zum Repertour. Und weil die Jungs mir zeigen wollten, was Ihr Boot so kann und auch Spaß mögen, ging es mit fast 80 km/h über en großen See zurück. Ja ich habe mich nicht vertippt. Ich bekam bei der Geschwindigkeit ein temporäres Facelifting und hatte zu tun, alle meine Sachen festzuhalten, hui war das eine Fahrt.

Dann ging es zurück zum Werkhof und erst einmal Lunch mit den Kollegen, aber alles kurz und knapp, es gab noch mehr zu tun. Aber eine junge Frau nahm mich gleich ins Schlepptau, zeigte mir die Kantine und wie es geht und wir hatten ein sehr netten Gespräch – Sie organisiert die Arbeit drinnen, also so eine Art Leitstelle.

Es gab zwei Beschwerden für uns – ein abgebranntes Fiets und Müll am Straßenrand, also weiter geht’s und danach gleich noch ein bisschen Parkraumkontrolle. Die Kollegen hier scannen mit dem PDA das Kennzeichen, bekommen sofort alle Infos aufs Display, ob bezahlt, wie lange bezahlt, versichert, gestohlen und die Fahrzugdaten und wenn irgendein Verstoß vorliegt, werden die Daten direkt benutzt um das Ticket zu fertigen und ein kleiner Drucker am Gürtel spuckt das Knöllchen aus und zack unter den Scheibenwischer. Parkverstöße kosten hier übrigens 90 Euro plus sieben Euro Tax, womit sicher die Bearbeitungsgebühr gemeint ist.

Jetzt war es aber höchste Zeit für den Evaluationstermin in Amstelveen, also rein ins Auto, dann schnell noch Kaffee und Zigarette auf der Rathausterrasse mit Blick aufs Wasser und auf geht’s zum nächsten Termin.

Unsere Obermutti Anne wollte wissen wie es uns geht, was uns fehlt, was verändert werden muss und erklärte, was von unserer Abschlusspräsentation erwartet wird. Die ist am 23.09. mit Bürgermeistern aus Berlin und von hier und allen Praktikanten und Betreuern. Dabei lernte ich endlich auch Linda kennen, die mich die nächsten 2 Wochen betreuen wird. Wir fanden gleich einen guten Draht und Sie hatte fast mehr Angst vor meinen Erwartungen als ich vor ihren. Sie ist die einzige, die mich hier jemals mit Frau Richter angesprochen hat, aber das soll so nicht bleiben, hoffe ich.

Dann ging es auf zu Pieters Familie, Marjolijn, seine Frau hat für mich gekocht, ich habe auch die beiden erwachsenen Töchter kennen gelernt, jeder hat von mir ein Geschenk bekommen und wir hatten zwei schöne Stunden. Eine wunderbare Familie, sehr herzlich und sie haben sich so sehr gefreut über meinen Besuch wie ich mich über die Einladung. Ich würde mich sofort adoptieren lassen!

Dafür war aber keine Zeit mehr. Es ging wieder zu einer Kontrolle. In Aalsmeer gibt es ein großes Fest am Wochenende, heute war der erste Abend und wir haben die Einhaltung des Jugendschutzes kontrolliert, Lärmpegel gemessen und mit der Erlaubnis abgeglichen und haben auch sonst wachsam auf die Einhaltung der Gesetze geachtet…aber nach elf wollte ich dann endlich heim.

Pieter hat mich mit dem Auto gebracht, dass ging sehr schnell und morgen früh gibt es kein Weckerklingeln. Mein Dienst beginnt um 11:00 Uhr und es geht zur Marktkontrolle. Klingt auch interessant, oder?

Pieter sagte noch, dass es dort viele leckere Sachen gibt, Poffertjes, Stroopwaffles und und und. Also mit dem Fiets zur Arbeit, dass ist besser für den Kopf, fürs Portemonnaie und für die Hüften 😉

Die ganzen vielen Kleinigkeiten, die ich nicht geschrieben habe, werde ich Euch gern nach meiner Rückkehr erzählen. Ein paar Fotos vom Tag gibt es aber hier.

Ach und ich kann auf dem privaten IPad oder sonst irgend einem PC auf der Welt alle meine dienstlichen Mails abrufen, lesen und beantworten, weil ich ja nie im Büro bin. Wifi im Rathaus habe ich sowie schon seit Tagen auf dem IPad und dem MobilphoneWas stimmt in Berlin nicht? Haben die den Fortschritt verschlafen?

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Ein kurzer Freitag …

wegen einer kleinen Terminverplanung, aber das kam mir auch ganz recht, weil mich ja heute der erste Besuch, meine Tochter Denise, ereilte.

Aber vorher ging’s natürlich wieder zum Rathaus, sogar eine Stunde früher als sonst, weil Treffpunkt in Amstelveen schon um acht Uhr war, das heißt um sieben aus dem Haus und noch vor sechs aus den Federn. Nicht wirklich mein Ding, aber es war eine Radtour, eine Windmühle, ein Wasserturm und noch Marktkontrollen mit einem ganz neuen System versprochen. Bis auf den letzten Termin war das auch alles so, nur die Arbeit viel aus 😉 dafür gab es ein Lunch mit Eberhard, Pieter und Pieters Frau Marjolein in Amstelveen, ganz spontan und wirklich schön. Aber jetzt fangen wir mal vorne an.

Ich also pünktlich los, pünktlich am Rathaus und mit Pieter auf dem Rad ca. 10 Kilometer, nach Aalsmeer. Weil wir zu früh dran waren, gab es noch einen Kaffee im Rathaus dort, natürlich wie immer für Mitarbeiter umsonst – Amstelveen und Aalsmeer sind inzwischen eine Gemeente, dann weiter zur Mühle und mit dem Müller geschnackt. Genau genommen ist er ein Hobbymüller und Wetholder, wir sagen auch Stadtrat. Aber er ist der beste Mühlenerklärer den man bekommen kann und hat uns alles über Mühlen – hier Molen – die verschieden Arten von Mühlen, deren Geschichte und die Funktionsweise erklärt. Weil ich gut aufgepasste habe, könnte ich, wenn ich das Stadtleben in Berlin satt habe, also Müllerin werden und mein Leben in Ruhe genießen. Aber so weit ist es noch nicht. Hab ja noch keine Mühle!

Als wir alles gesehen und erfahren hatten ging es wieder auf die Fietsen und nach Aalsmeer zum Wasserturm. Der ist im ArtDecoStil im letzten Jahrhundert zur Wasserversorgung erbaut worden, stand dann lange leer weil der Fortschritt ihn überflüssig gemacht hatte und ist nun saniert worden und wird für kulturellen Events genutzt, allerdings ohne Wasser drin. Dafür vor der Tür mit ganz viel Wasser. Ein interessantes Gemäuer zugleich irgendwie Baudenkmal und natürlich mit vielen Treppen hinauf auf 55 Meter zur Aussichtsplattform mit einem schönen Blick über die Umgebung. Leider war es ausgerechnet heute bewölkt und diesig, so dass uns der Blick zum Dom nach Utrecht nicht vergönnt war. Aber interessant war es trotzdem und der Blick war sehr beeindruckend über diese wasserreiche Landschaft, bis zum Flughafen nach Schriphol, nach Aalsmeer zu den riesigen Gewächshäusern und zur Auktionhalle für Blumen und anderes Grünzeug. Riesengroß und eine kleine Stadt für sich.

Und nun? Na erst einmal Hunger und Durst und da vfel dem Pieter ein, mich zu sich nach Hause zum Lunch einzuladen. Gesagt, getan und losgeradelt. Und weil wir Eberhard, auch aus Berlin, noch aufgesammelt haben, wurde der auch gleich noch eingeladen und Pieter hat mal so ganz nebenbei beim Fahrradfahren mit dem Handy seine Frau über den nahenden Besuch informiert – sie war ja sowieso zu Hause, grins. Das ist niederländische Gastfreundschaft, spontan, herzlich und ungezwungen! Aber wie in den letzten Tagen immer, wurde nicht lange getafelt.

Mein nächster Termin rückte immer näher, während Pieter und Eberhard sich schon aufs Wochenende freuen durften. Also wieder rauf auf die Fietsen und weiter. Pieter hat mich ein Stück des Weges begleitet, Eberhard auch auf seinem Heimweg und das letzte Stück durfte ich dann alleine den Weg finden, ohne Karte, die hatte ich vergessen auf unbekanntem Terrain. Aber ich habe es problemlos gemeistert! Bin doch nicht blond, oder doch? Na egal. Und als ich ankam, war meine Verabredung nicht da. Eigentlich wollte ich mir ein ganz neues System zur Überwachung und Kontrolle eines Wochenmarktes ansehen und erläutern lassen, aber meine Verabredung war ja geplatzt und nach telefonischer Rückfrage stellte sich raus, dass Willem mich erst nächsten Freitag erwartet. Schön! Dann habe ich jetzt also auch Feierabend und Wochenende und kann mich nun um meine Tochter Denise kümmern, die schon am Hauptbahnhof eingetroffen war und fürs Wochenende bleibt. Also wieder auf mein Fiets, das Wort ist zu schön und ab nach Amsterdam.

Da gab es dann heute Touristenprogramm mit Pankoeken, Shopping, Rotlichtviertel, Grachten, Blumenmarkt, Bitterballen, Kaas und Bier und nun schläft das große Kind schon neben mir und ich freue mich eigentlich auch aufs Bett.

Morgen geht’s weiter hier und mit uns beiden Mädels in Amsterdam. Und Euch allen ein schönes Wochenende in Berlin, in den Niederlanden oder irgendwo anders auf der Welt!

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Herzlich Willkommen …

wurden wir geheißen, heute ganz offiziell!

Erst hat uns die Frau Bürgermeisterin begrüßt und auch der Stadtdirektor – ja hier wird strikt zwischen Politik und Verwaltung getrennt – und dann haben wir ein paar Sachen über das niederländische Miteinander und die Organisation der Gemeinden gelernt.

Hier geht es alles weniger formell zu, jeder spricht jeden mit Du an, man muss sich nicht verkleiden im Büro – aber bei uns ja auch nicht, es gibt guten Kaffee für alle so viel wie man verträgt und ganz ohne Bezahlung, man sieht sich auch in die Augen, wenn man miteinander spricht und den Rest habe ich auch schon wieder vergessen… Aber temporäre Gedächtnislücken nach so einem Tag werden hoffentlich von der Leserschaft verziehen.

Es war ein sehr langer und auch anstrengender Tag für uns alle. Halb acht aus dem Haus, gegen neun zurück in meinem kleinen neuen zu Hause, immer die Ohren spitzen und die Antennen auf Empfang. Vieles wurde uns auf englisch erklärt, damit es auch alle verstehen und es gab eine Menge Informationen und Begegnungen.

Das Wichtigste war wieder einmal, dass wir hier sehr willkommen sind. Unsere niederländischen Partner bewirten uns mit allerlei leckeren Dingen, vom Sandwich, über Obst, Kaffee sowieso, Milch, Saft, Bier und anderen Erfrischungsgetränken zwischendurch und einem tollen gemeinsamen Essen als Abschluss und was das Wichtigste ist, Sie sind immer für uns da, hören uns zu, basteln mit uns zusammen an einem Programm für unser Praktikum, welches beiden Seiten Einblicke in Verwaltung, Kultur, Kunst und das tägliche Miteinander verspricht.

Wir haben heute Amstelveen und die Nachbargemeinden besucht, mit dem Bus, zu Fuß und wir waren überall willkommen. Die Mitarbeiter in den Rathäusern wirken auf mich offen, entspannt und die Rathäuser selbst strahlen diese Atmosphäre auch aus, so dass man gern hineingeht.
Keine grauen alten Gemäuer, die dem Besucher den Hauch der Geschichte ins Gesicht blasen und blasse gestresste Mitarbeiter, die über die Gänge huschen, in der Hoffnung, dass sie niemand anspricht.

Wie kommt das nur? Ist es die Mentalität der Menschen in Verbindung mit der offenen Gestaltung der Gebäude? Ist das Arbeitspension hier ein anderes oder sind die Menschen einfach zufriedener mit dem was sie haben? Ich werde es vielleicht herausfinden, aber nicht mehr heute.

Auf den Bildern seht Ihr das Büro einer Bürgermeisterin, den Saal in welchem die gewählten Gemeindevertreter beraten – offen, transparent und in Zentrum des Rathauses, den Holzhammer, womit diese Sitzungen von der Bürgermeisterin in dieser Gemeinde beendet werden und natürlich einen dieser wunderbar gepflegten Parks hier in Amstelveen.

Schlaft schön oder Slaap lekker!P9010105.JPGP9010108.JPG

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